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Geriatrische HNO-Heilkunde: Früherkennung schützt vor schwerwiegenden Folgeerkrankungen


Untersuchung beim HNO-Arzt: Viele Erkrankungen treten erst im Alter auf (Foto: Alexander Raths/Fotolia)
Mannheim , 28.10.2019 - Schwindel, Hör- und Riechstörungen – Altersbedingte Erkrankungen spielen in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eine hervorgehobene Rolle. „Für HNO-Ärzte ist die Auseinandersetzung mit geriatrischen Fragestellungen von großer Bedeutung", erklärt PD Dr. Christiane Völter vom Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Bei der Behandlung der älteren Patientinnen und Patienten komme es vor allem auf die frühzeitige Erkennung und Einleitung von therapeutischen Maßnahmen an. So zählen Hörstörungen zu einer der möglichen Risikofaktoren für das Auftreten einer Demenz im höheren Lebensalter.

HNO-Ärztin Christiane Völter plädiert für die intensivere Beachtung geriatrischer Aspekte in der HNO: „Während sich die Erkenntnis, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, mittlerweile durchgesetzt hat, werden die besonderen Bedürfnisse und Gegebenheiten älterer Patienten in der HNO-Heilkunde bislang noch ungenügend berücksichtigt." Für eine altersgerechte Behandlung sprechen zahlreiche Gründe, betont Völter. Viele HNO-Erkrankungen treten gerade im höheren Alter auf. „Bedingt durch die demografische Entwicklung nimmt die Anzahl älterer Menschen rasant zu. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden bis 2050 etwa zwei Milliarden der Menschen über 60 Jahre alt sein. Das entspricht 22 Prozent der Weltbevölkerung. 2012 waren es noch 809 Millionen bzw. 11 Prozent." Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 15 Millionen Menschen schwerhörig.

Dies sei aber nur eine von zahlreichen altersbedingten Gesundheitsstörungen, führt Völter aus: „Schwindel wird neben Immobilität, Inkontinenz, Instabilität, Isolation, intellektuellen Veränderungen, iatrogenen Arzneimittelwirkungen und Depression zu den sogenannten Geriatric Giants gezählt." Jeder fünfte Ältere über 65 Jahren sei von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen betroffen. Nicht erkannte Schluckstörungen zählen zu den häufigsten Todesursachen nach einem Schlaganfall. Darüber hinaus seien sie Warnsignal für eine Demenz. „Bei 80 Prozent der Demenzerkrankten findet sich bereits im Frühstadium eine Dysphagie. Gleichzeitig führt eine Schluckstörung zu einer Zunahme der dementiellen Symptomatik." Andere Störungen der Sinnesorgane, wie Riechstörungen, seien nicht selten das erste Symptom schwerwiegender, im Alter auftretender Erkrankungen, wie Parkinson oder Demenz.

Die Folgen sensorischer Einschränkungen seien erheblich, erklärt Völter. Dies gelte vor allem dann, wenn verschiedene Sinnesstörungen gleichzeitig auftreten. Außerdem steige die Gefahr von Folgeerkrankungen. Zu den möglichen Folgen einer Hörstörung zählten beispielsweise das erhöhte Risiko, an einer Demenz oder einer Depression zu erkranken sowie unter Gebrechlichkeit zu leiden. Derartige Krankheitsverläufe seien vermeidbar, betont die Leiterin des Hörkompetenzzentrums am St. Elisabeth-Krankenhaus der Ruhr-Universität in Bochum: „Hörstörungen sind wie Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck und mangelnde körperliche Betätigung modifizierbare Risikofaktoren für das Auftreten einer Demenz."

Dennoch werden Hörstörungen im Alter nicht oder erst spät erkannt und behandelt. Völter: „Je nach Datenlage sind zwischen 30 und 50 Prozent der mittel- bis hochgradig Schwerhörigen nicht mit einem Hörgerät versorgt." Mithilfe einer sogenannten Innenohrprothese lassen sich heutzutage auch hochgradige Schwerhörigkeiten bis hin zu einer Ertaubung erfolgreich behandeln. „Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass ältere Patienten in vielfältiger Weise im Hinblick auf die Lebensqualität von einem Cochlea-Implantat profitieren." Völter plädiert in diesem Zusammenhang für eine systematische Überprüfung des Hörvermögens älterer Menschen: „Ein Hörscreening für Ältere könnte in Zukunft Teil der Gesundheitsvorsorge in Analogie zu den bereits etablierten internistischen und urologischen Vorsorgeuntersuchungen sein." Dies gelte umso mehr, zumal die Prävalenz von Erkrankungen der Sinnesorgane hoch und eine Therapie derselben meist ohne größere Nebenwirkungen möglich sei, konstatiert die Bochumer Hörexpertin.

Die 53. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte findet vom 31. Oktober bis 2. November 2019 im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „Immunologie, Implantate, Informationstechnologie – HNO-Heilkunde im nächsten Jahrzehnt". Das wissenschaftliche Programm umfasst mehr als 80 Vorträge, Falldiskussionen, Rundtischgespräche, Kurse und Symposien mit 140 Referentinnen und Referenten. Bei der angeschlossenen Industrieausstellung sind über 150 Firmen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie und Praxisbedarf vertreten. Damit zählt der Kongress zu den größten Fachkongressen in der HNO-Heilkunde. Mehr Informationen unter www.fg-hno-aerzte.de.

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