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HPV-Impfung kann Kopf-Hals-Tumoren verhindern – Hoher Nachholbedarf in Deutschland


HPV-Impfung: Jungen und Mädchen zwischen neun und 14 Jahren sollten geimpft werden (Foto: Africa Studio/Adobe Stock)
Mannheim , 23.10.2019 - Mit der prophylaktischen Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) können verschiedene Tumoren verhindert werden. Dies gelte in erster Linie für das Zervixkarzinom und andere anogenitale Karzinome, aber auch zunehmend für Kopf-Hals-Karzinome, erklärt Univ.-Prof. Dr. Jens Peter Klußmann. Im internationalen Vergleich liege Deutschland bei den Impfraten weit zurück, so der Direktor der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Köln. Zudem sei das Bewusstsein für Kopf-Hals-Karzinome, aber auch für die HPV-Krebsimpfung, hierzulande noch viel zu gering.

Neben bösartigen HPV-induzierten Neoplasien, wie Gebärmutterhalskrebs oder Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, können, je nach Art der HPV-Impfung, auch gutartige Papillome sowohl im Genitalbereich als wahrscheinlich auch im HNO-Bereich verhindert werden. „Die nonavalente HPV-Impfung deckt die wichtigsten Hochrisiko- aber auch Niedrigrisiko-HPV-Typen ab“, erläutert Klußmann. Geschützt werden können Mädchen wie Jungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts veröffentlichte im Juni 2018 eine überarbeitete Empfehlung, wonach die Impfung gegen humane Papillomviren für alle Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren vorgesehen ist. Seit Dezember letzten Jahres ist die Impfung auch für Jungen Teil des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung. Für Mädchen gilt die Regelung bereits seit 2007.

Den Hintergrund der Maßnahme erklärt Klußmann: „Bisher war die Impfung nur für Mädchen empfohlen worden, insbesondere, um das Zervixkarzinom und dessen Vorstufen zu verhindern. Jedoch wird die ‚Herdenimmunität‘ auf Grund der geringen Impfraten nicht erreicht, wodurch Jungen und Männer nicht vor HPV-assoziierten Erkrankungen geschützt sind. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die HPV-assoziierten Kopf-Hals-Karzinome zunehmen, wurde 2018 vom RKI empfohlen, ebenfalls Jungen zu impfen.“ Die Zunahme der HPV-assoziierten Kopf-Hals-Karzinome sei für verschiedenste Regionen in Europa und den USA klar gezeigt, so der Kölner Universitätsprofessor weiter. Die Impfempfehlung gelte nun für beide Geschlechter im Alter von neun bis 14, wobei bis zum 18. Geburtstag nachgeimpft werden könne. Klußmann: „Die Impfempfehlung sieht eine zweimalige Impfung innerhalb von fünf Monaten vor. Wenn die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht wird, sind insgesamt drei Impfungen notwendig.“ Auch zu einem späteren Zeitpunkt könne die prophylaktische HPV-Impfung sinnvoll sein. Sie sei dann möglicherweise aber keine Kassenleistung, berichtet der HNO-Experte.

Bei der Immunisierung der Kinder und Jugendlichen gebe es hierzulande deutlichen Nachholbedarf, so Klußmann weiter: „Die Impfraten in Deutschland sind insgesamt viel zu niedrig. So lag 2015 die Impfrate bei Mädchen nur bei 44,6 Prozent. Über die Impfraten bei Jungen gibt es in Deutschland noch keine Daten.“ In anderen Ländern, in denen die HPV-Impfung schon seit Jahren für beide Geschlechter durchgeführt werde, wie zum Beispiel in Australien, habe dies zu einer massiven Reduktion vieler HPV-assoziierten Erkrankungen geführt. Ein Beispiel dafür sei das Verhindern der Kehlkopfpapillomatose, eines gutartigen Geschwulstes im Halsbereich, in den Impfkohorten.

Insgesamt bestehe bei dem Thema großer Aufklärungsbedarf, so Klußmann: „Leider ist in Deutschland nach wie vor das Bewusstsein für Kopf-Hals-Karzinome, aber auch für die HPV-Krebsimpfung, gering. Es gilt, die Awareness für diesen Tumor und dessen HPV-Assoziation zu erhöhen und der Bevölkerung die Sinnhaftigkeit der HPV-Impfung bekannt zu machen.“ Da Jungen im Alter zwischen neun und 14 Jahren den Kinderarzt nicht mehr regelmäßig aufsuchen und auch sonst keine regelhafte ärztliche oder schulmedizinische Betreuung bestehe, sei auch der HNO-Arzt gefragt, über die HPV-Impfung aufzuklären, ergänzt der Kölner Mediziner.

Die 53. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte findet vom 31. Oktober bis 2. November 2019 im Congress Center Rosengarten in Mannheim statt. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Leitthema „Immunologie, Implantate, Informationstechnologie – HNO-Heilkunde im nächsten Jahrzehnt". Das wissenschaftliche Programm umfasst mehr als 80 Vorträge, Falldiskussionen, Rundtischgespräche, Kurse und Symposien mit 140 Referentinnen und Referenten. Bei der angeschlossenen Industrieausstellung sind über 150 Firmen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie und Praxisbedarf vertreten. Damit zählt der Kongress zu den größten Fachkongressen in der HNO-Heilkunde. Mehr Informationen unter www.fg-hno-aerzte.de.

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