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Telemedizin in der HNO-Heilkunde – Enorme Möglichkeiten durch technische Leistungsexplosion


Telemedizin - Einsatzmöglichkeiten von der Smartphone-App bis zur Sicherstellung der Versorgung (© iconimage/Fotolia)
Mannheim , 25.10.2016 - „Die Telemedizin gewinnt in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zunehmend an Bedeutung“, sagt Prof. Karl Hörmann, Präsident der Deutschen Akademie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Eine besondere Rolle bekomme die Technik in bevölkerungsarmen Regionen, wo nur noch wenige Fachärzte zu finden seien, sowie in Notfallsituationen, so Hörmann. Dass sich der Gesetzgeber mittlerweile mit dem Thema auseinandersetze, sei zu begrüßen.

Die Entwicklung der Telemedizin stehe erst am Anfang, erklärt Prof. Hörmann: „Schon jetzt sehen wir die enormen Möglichkeiten, die sich aufgrund der technischen Leistungsexplosion der letzten Jahre, der allgegenwertigen Vernetzung und der Digitalisierung, die nahezu jeden Bereich des Lebens erreicht hat, ergeben.“ Auch in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gebe es viele Anwendungsfelder: „Die Einsatzmöglichkeiten der Telemedizin in der HNO sind sehr groß und breit gefächert. Sie reichen von der Smartphone-App bis hin zur Sicherstellung der Versorgung“, so Hörmann weiter. Eine telemedizinische Vernetzung und entsprechende Struktur ermögliche hier eine verbesserte Erreichbarkeit der HNO-fachärztlichen Versorgung in bevölkerungsarmen Gebieten. Zudem sei der Informationsaustausch in Notfallsituationen und in der täglichen Behandlung sehr wichtig und werde durch die Telemedizin deutlich erleichtert.

Dennoch könne eine telemedizinische Konsultation den menschlichen Patientenkontakt niemals ersetzen: „Der Arzt-Patientenkontakt besteht aus einer besonderen, einer menschlichen Art, die sich nicht digitalisieren lässt und damit auch nicht ersetzt werden kann“, unterstreicht Hörmann. Als medizinischer Goldstandard einer jeden optimalen Patientenversorgung müsse daher weiterhin die persönliche, fachärztliche Untersuchung und Betreuung der Patienten gelten. Die Patienten profitieren unterdessen von der verbesserten Erreichbarkeit und vereinfachten Beratungen. Durch die bessere Verfügbarkeit wichtiger medizinischer Daten, wie Medikation, Begleit- und Vorerkrankungen, verringere sich die Gefahr von gefährlichen Medikamenten-Wechselwirkungen oder Kontraindikationen.

Die mit dem E-Health-Gesetz geplanten Maßnahmen seien darüber hinaus ein Schritt in die richtige Richtung, lobt Hörmann: „Viele bisher unklare Aspekte sollen mit dem Gesetz auf den Weg gebracht werden. Beispielhaft ist das Interoperabilitätsverzeichnis, das ab Juli 2017 sicherstellen soll, dass die Vielzahl an verschiedenen IT-Systemen in der Patientenversorgung später auch miteinander kommunizieren können.“ Gerade dies sei ein aktuelles Problem in den Kliniken und Praxen, schildert Prof. Hörmann anhand seiner Erfahrung als Klinikdirektor der Universitäts-Hals-, Nasen-, Ohrenklinik in Mannheim. „Es existieren eine große Zahl an Insellösungen ohne einfache Vernetzungsmöglichkeiten.“

Wichtig sei auch, dass die telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen ab April 2017 und die Online-Videosprechstunde ab Juli 2017 in die vertragsärztliche Versorgung aufgenommen werden. „Das wird Patienten die Kontaktaufnahme mit dem Arzt deutlich erleichtern, gerade bei Nachsorge- und Kontrollterminen. Vor allem für ältere und multimorbide Menschen sind die Vielzahl an Vorerkrankungen, einzunehmenden Medikamenten, Allergien und Notfallhinweisen, wie z. B. Herzschrittmachern, kaum mehr zu überschauen und wiederzugeben. Es drohen gefährliche Arzneimittelwechselwirkungen.“ Hier greife das neue E-Health-Gesetz, indem es klare Vorgaben und Strukturen bereitstelle, wie diese Informationen auf der elektronischen Gesundheitskarte dem behandelnden Arzt sofort verfügbar gemacht werden.

Die 50. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte in Mannheim befasst sich unter anderem in einem Rundtischgespräch „Telemedizin“ mit dem Thema. Der Kongress findet vom 27. bis 29. Oktober 2016 im Congress Center Rosengarten statt.

Weitere Informationen zur 50. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte unter: http://kongress2016.fg-hno-aerzte.de.

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